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Legionellen vermeiden: So schützen Sie Ihr Zuhause vor gefährlichen Bakterien

08.01.2026
10 min.
Von Baumarkt Redaktion

Was sind Legionellen und warum sind sie gefährlich?

Legionellen sind stäbchenförmige Bakterien, die natürlicherweise in Süßwasser vorkommen. In geringen Konzentrationen stellen sie keine Gefahr dar. Problematisch wird es erst, wenn sie sich massenhaft vermehren und über feinste Wassertröpfchen eingeatmet werden.

Die Folgen können gravierend sein: Die Legionärskrankheit - eine schwere Form der Lungenentzündung - kann besonders für ältere Menschen und Personen mit geschwächtem Immunsystem lebensbedrohlich werden. Eine mildere Verlaufsform ist das Pontiac-Fieber, das grippeähnliche Symptome verursacht.

Der Name "Legionellen" geht auf einen tragischen Vorfall zurück: 1976 erkrankten bei einem Veteranentreffen der American Legion in Philadelphia 221 Menschen, 34 starben. Erst danach identifizierten Forscher das bis dahin unbekannte Bakterium in der Klimaanlage des Hotels.

Wichtig zu wissen: Legionellen werden nicht durch das Trinken von Wasser übertragen. Die Gefahr entsteht ausschließlich beim Einatmen von kontaminiertem Wasserdampf - etwa beim Duschen, bei Luftbefeuchtern oder Whirlpools.

 

 Illustration von stäbchenförmigen Mikroorganismen (Bakterien), die frei im Raum schweben, mit unscharfem Hintergrund in Rosa- und Brauntönen.

 

Wie entstehen Legionellen in der Hausinstallation?

Legionellen fühlen sich in einem ganz bestimmten Temperaturbereich besonders wohl: zwischen 25 °C und 45 °C. In diesem Bereich vermehren sie sich rasant. Bei Temperaturen über 60 °C sterben sie ab, unter 20 °C stellen sie ihre Vermehrung weitgehend ein.

Die häufigsten Ursachen für Legionellenwachstum

Das Hauptproblem in Haushalten ist stehendes Wasser. Wenn Leitungen über längere Zeit nicht genutzt werden, erwärmt sich das Wasser auf Raumtemperatur - ideale Bedingungen für Legionellen. Zudem bildet sich in stagnierenden Leitungen ein sogenannter Biofilm, in dem sich die Bakterien besonders gut ansiedeln können.

Typische Gefahrenquellen im Haushalt:

  • Warmwasserspeicher mit zu niedriger Temperatureinstellung (unter 60 °C)
  • Duschen und Wasserhähne, die selten benutzt werden
  • Tote Leitungen - Rohrabschnitte, die nicht mehr aktiv genutzt werden
  • Warmwasserleitungen mit unzureichender Zirkulation
  • Luftbefeuchter und Klimaanlagen ohne regelmäßige Wartung
  • Kaltwasserleitungen, die sich durch Nähe zu Warmwasserleitungen erwärmen

 

Wer ist besonders gefährdet?

Nicht jeder Mensch reagiert gleich empfindlich auf Legionellen. Bestimmte Personengruppen tragen ein deutlich höheres Risiko für einen schweren Krankheitsverlauf:

Risikogruppe

Warum erhöhtes Risiko?

Menschen über 50 Jahre

Geschwächtes Immunsystem, häufig Vorerkrankungen

Raucher

Vorgeschädigte Lunge, schlechtere Abwehrmechanismen

Immunsupprimierte Personen

Durch Medikamente oder Erkrankungen geschwächtee Abwehr

Chronich Kranke

Herz-Kreislauf- oder Lungenerkrankungen schwächen den Körper

Diabetiker

Erhöhte Infektanfälligkeit durch Stoffwechselerkrankung

 

 

Die Übertragung erfolgt ausschließlich über Aerosole - feinste Wassertröpfchen, die beim Duschen, durch Klimaanlagen oder Luftbefeuchter in die Luft gelangen und eingeatmet werden. Trinkt man kontaminiertes Wasser, besteht dagegen keine Infektionsgefahr.

 

Legionellen vorbeugen: Die wichtigsten Maßnahmen im Überblick

Gute Nachricht: Mit den richtigen Vorsorgemaßnahmen lässt sich das Legionellenrisiko auf ein Minimum reduzieren. Der Schlüssel liegt in der konsequenten Einhaltung von Temperaturvorgaben und regelmäßiger Wartung.

1. Die richtige Wassertemperatur einstellen

Die Temperatur ist Ihr wichtigstes Werkzeug im Kampf gegen Legionellen:

Warmwasser: Mindestens 60 °C am Austritt des Warmwasserbereiters. Bei dieser Temperatur sterben Legionellen innerhalb weniger Minuten ab. An der entferntesten Entnahmestelle sollten nach fünf Sekunden noch mindestens 55 °C erreicht werden.

Kaltwasser: Maximal 25 °C, besser noch unter 20 °C. Achten Sie darauf, dass Kaltwasserleitungen nicht in der Nähe von Warmwasserleitungen oder Heizungsrohren verlaufen.

 

Moderne Küchenarmatur mit fließendem Wasser über einem schwarzen Spülbecken, im Hintergrund eine helle Küche mit Arbeitsplatte, Pflanzen und Küchenutensilien.

 

Temperatur

Wirkung auf Legionellen

Zeitrahmen

< 20 °C

Vermehrung nahezu gestoppt

-

25 - 45 °C

Optimales Wachstum

Verdopplung alle 3-6 Stunden

50 °C

Vermehrung gestoppt

-

60 °C

Abtötung

30 Minuten

70 °C

Schnelle Abtötung

3 Minuten

> 80 °C

Sofortige Abtötung

Wenige Sekunden

 

2. Regelmäßige Nutzung aller Entnahmestellen

Jeder Wasserhahn und jede Dusche sollte mindestens einmal pro Woche für einige Minuten laufen. Das verhindert Stagnation und spült potenzielle Bakterienherde aus. Besonders wichtig ist dies bei:

  • Gästebädern
  • Außenzapfstellen
  • Selten genutzten Duschen im Keller oder Dachgeschoss

Praxistipp: Erstellen Sie eine Checkliste für alle Entnahmestellen in Ihrem Haus und haken Sie die wöchentliche Spülung ab.

3. Warmwasserzirkulation optimieren

In größeren Wohngebäuden sorgt eine Zirkulationsleitung dafür, dass das Warmwasser ständig im Kreislauf bleibt. Die Zirkulationspumpe - auch Umwälzpumpen genannt - hält das Wasser in Bewegung und verhindert das Abkühlen in entfernten Leitungsabschnitten.

So funktioniert's optimal:

  • Zirkulationspumpe läuft täglich mehrere Stunden (mindestens 8 Stunden)
  • Rücklauftemperatur nicht unter 55 °C
  • Hydraulischer Abgleich gewährleistet gleichmäßige Durchströmung
  • Moderne Hocheffizienzpumpen sparen Energie

4. Duschköpfe und Perlatoren reinigen

In Duschköpfen und Strahlreglern (Perlatoren) können sich Kalkablagerungen und Biofilme bilden - ideale Verstecke für Legionellen. Reinigen Sie diese Bauteile alle drei bis sechs Monate:

  1. Duschkopf oder Perlator abschrauben
  2. In verdünntem Essigwasser (1:1) über Nacht einlegen
  3. Mit einer Bürste mechanisch reinigen
  4. Gründlich mit heißem Wasser nachspülen
  5. Wieder montieren und einige Minuten durchspülen

5. Tote Leitungen entfernen

Stillgelegte Leitungsabschnitte - sogenannte "tote Leitungen" - sind Bakterienfallen. Sie entstehen oft bei Umbauten, wenn alte Anschlüsse nicht fachgerecht zurückgebaut werden.

Handlungsempfehlung: Lassen Sie einen Fachbetrieb Ihre Installation überprüfen und nicht mehr benötigte Leitungsabschnitte professionell entfernen.

6. Frischwasserstationen als moderne Alternative

Dezentrale Frischwasserstationen erwärmen Wasser erst bei Bedarf im Durchlaufprinzip. Es gibt keinen großen Warmwasserspeicher, in dem sich Bakterien vermehren können. Diese Systeme sind besonders energieeffizient und hygienisch.

Vorteile auf einen Blick:

  • Kein stehendes Warmwasser
  • Deutlich reduziertes Legionellenrisiko
  • Energieeinsparung bis zu 30 %
  • Keine thermische Desinfektion erforderlich

 

Nach dem Urlaub: Thermische Desinfektion durchführen

Waren Sie länger als vier Wochen nicht zu Hause? Dann hat das Wasser in den Leitungen gestanden und sich möglicherweise mit Legionellen angereichert. Eine thermische Desinfektion schafft Abhilfe:

Schritt-für-Schritt-Anleitung:

  1. Fenster öffnen für gute Durchlüftung (wichtig wegen Verbrühungsgefahr durch Dampf)
  2. Warmwasserbereiter auf 70 °C hochfahren
  3. Alle Entnahmestellen nacheinander öffnen - beginnend mit der am weitesten entfernten
  4. An jeder Stelle mindestens 3 Minuten heißes Wasser durchlaufen lassen
  5. Dabei nicht in der Nähe bleiben und Hautschutz beachten (Verbrühungsgefahr!)
  6. Kaltwasserleitungen ebenfalls gründlich spülen (jeweils 5 Minuten)
  7. Nach Abschluss die Temperatur wieder auf 60 °C einstellen

Achtung: Informieren Sie alle Hausbewohner über die Maßnahme. Während der thermischen Desinfektion besteht akute Verbrühungsgefahr!

 

Sonderfälle: Gewerbliche Gebäude und Vermietung

Prüfpflicht in größeren Gebäuden

Die Trinkwasserverordnung (TrinkwV) verpflichtet Betreiber von Großanlagen zur regelmäßigen Legionellenprüfung. Das betrifft:

  • Mehrfamilienhäuser mit zentraler Warmwasserbereitung und mehr als drei Wohneinheiten
  • Hotels, Pflegeheime, Fitnessstudios, Krankenhäuser
  • Öffentliche Gebäude mit Duschanlagen

Prüfintervall: Alle drei Jahre (bei Überschreitung der Grenzwerte jährlich)

Die Probenahme muss durch akkreditierte Labore erfolgen. Der technische Maßnahmenwert liegt bei 100 koloniebildenden Einheiten (KBE) pro 100 ml Wasser.

Pflichten für Vermieter

Als Vermieter sind Sie verantwortlich für:

  • Regelmäßige Legionellenuntersuchung bei Prüfpflicht
  • Information der Mieter über Untersuchungsergebnisse (binnen 14 Tagen)
  • Sofortige Maßnahmen bei Grenzwertüberschreitung
  • Meldung ans Gesundheitsamt bei Überschreitung des technischen Maßnahmenwerts

 

Wissenschaftler in Schutzkleidung führt ein Experiment durch, indem er eine Flüssigkeit aus einem Reagenzglas mit einer Pipette in eine Petrischale tropft.

 

Kriterium

Einfamilienhaus

Vermietung (ab 3 Wohneinheiten)

Legionellenprüfung

Keine Pflicht

Pflicht alle 3 Jahre

Temperaturvorgabe

Empfohlen 60 °C

Vorgeschrieben 60 °C

Dokumentation

Nicht erforderlich

Pflicht (Prüfberichte mind. 10 Jahre)

Meldepflicht

Nein

Ja, bei Grenzwertüberschreitungen

Kosten

Eigenverantwortung

Betriebskosten (umlegbar)

 

 

Rechtliche Grundlagen: Was sagt die Trinkwasserverordnung?

Die Trinkwasserverordnung (TrinkwV) regelt in Deutschland die Qualität von Trinkwasser aus zentralen Wasserversorgungsanlagen. Sie basiert auf EU-Richtlinien und wird vom Bundesministerium für Gesundheit erlassen.

 

Zentrale Vorgaben der TrinkwV:

Technischer Maßnahmenwert: 100 KBE/100 ml - wird dieser überschritten, müssen unverzüglich Maßnahmen eingeleitet werden.

Meldepflicht: Überschreitungen sind dem zuständigen Gesundheitsamt binnen 14 Tagen zu melden.

Gefährdungsanalyse: Bei wiederholter Grenzwertüberschreitung muss eine detaillierte Analyse der Trinkwasser-Installation durchgeführt werden.

Sanierungspflicht: Der Betreiber muss nachweisen, dass er alle technisch möglichen Maßnahmen ergreift, um die Kontamination zu beseitigen.

Die Deutsche Vereinigung des Gas- und Wasserfaches (DVGW) gibt ergänzende technische Regelwerke heraus, etwa das DVGW-Arbeitsblatt W 551, das als Leitfaden für die Praxis dient.

 

 Person in Schutzkleidung mit einer Hand erhoben, als Zeichen zum Stoppen, während im Hintergrund eine weitere Person in Schutzkleidung zu sehen ist.

 

Was tun bei Legionellenbefall?

Wurde bei einer Untersuchung eine Überschreitung des technischen Maßnahmenwerts festgestellt, sind schnelle Maßnahmen erforderlich:

Sofortmaßnahmen

  1. Nutzungseinschränkung: Duschen nur mit geschlossenem Mund, Fenster öffnen
  2. Information: Alle Nutzer über die Kontamination informieren
  3. Gesundheitsamt: Meldung und Abstimmung weiterer Schritte

Bekämpfungsmaßnahmen

Thermische Desinfektion: Die gesamte Anlage wird für mehrere Stunden auf mindestens 70 °C aufgeheizt. An jeder Entnahmestelle muss diese Temperatur für mindestens 3 Minuten erreicht werden.

Chemische Desinfektion: Chlorung oder Chlordioxid-Behandlung durch Fachfirmen. Diese Methode wird eingesetzt, wenn thermische Desinfektion nicht ausreicht oder technisch nicht möglich ist.

UV-Desinfektion: Installation von UV-Bestrahlungsanlagen im Leitungssystem. Diese töten Legionellen durch ultraviolette Strahlung ab.

Spülung und Austausch: In schweren Fällen müssen kontaminierte Leitungsabschnitte erneuert werden.

Wichtig: Alle Desinfektionsmaßnahmen sollten ausschließlich von Fachbetrieben durchgeführt werden. DIY-Versuche können die Situation verschlimmern und gefährden die Gesundheit.

 

Fazit: Prävention ist der beste Schutz

Legionellen sind eine ernst zu nehmende Gesundheitsgefahr, lassen sich aber mit konsequenten Präventionsmaßnahmen zuverlässig vermeiden. Die wichtigsten Grundsätze:

Warmwasser konstant bei mindestens 60 °C halten

Kaltwasser unter 25 °C lagern

Alle Entnahmestellen regelmäßig nutzen

Duschköpfe und Perlatoren reinigen

Nach Urlaub thermische Desinfektion durchführen

Tote Leitungen entfernen lassen

Bei Prüfpflicht regelmäßig untersuchen lassen

Wer diese Maßnahmen umsetzt, minimiert das Risiko einer Legionelleninfektion erheblich. Hausbesitzer und Vermieter sollten die Trinkwasserhygiene als festen Bestandteil der Gebäudewartung verstehen - nicht als lästige Pflicht, sondern als aktiven Beitrag zum Gesundheitsschutz aller Bewohner.

Unsicher, ob Ihre Installation optimal eingestellt ist? Ein Heizungsfachbetrieb oder Sanitärinstallateur kann Ihre Anlage überprüfen, die Temperatureinstellungen optimieren und eine Gefährdungsanalyse durchführen. Das Robert Koch-Institut (RKI) und die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) bieten zudem umfangreiche Informationsmaterialien für Hauseigentümer.

Investieren Sie in Prävention - Ihre Gesundheit und die Ihrer Familie sind es wert.

 

Häufig gestellte Fragen (FAQs)

Ab welcher Temperatur sterben Legionellen?

Bei 60 °C sterben Legionellen innerhalb von 30 Minuten, bei 70 °C in 3 Minuten, ab 80 °C nahezu sofort. Warmwasser sollte daher mindestens 60 °C haben.

Wie kann ich Legionellen vorbeugen?

  • Warmwasser ≥ 60 °C, Kaltwasser ≤ 25 °C
  • Wöchentlich spülen aller Entnahmestellen
  • Regelmäßige Wartung (Duschköpfe, Zirkulation, Leitungen)

Wie oft sollte man Wasser laufen lassen, um Legionellen zu vermeiden?

Mindestens einmal pro Woche für 2-3 Minuten. Nach längerer Abwesenheit: thermische Desinfektion (70 °C, 3 Minuten).

Wie kann ich Legionellen im Urlaub vermeiden?

  • Warmwasser nicht unter 60 °C abschalten
  • Jemanden bitten, wöchentlich Wasser laufen zu lassen
  • Nach Rückkehr thermisch desinfizieren

Wie bekommt man Legionellen aus der Wasserleitung?

Standard ist die thermische Desinfektion (70 °C, 3 Minuten). Bei Bedarf zusätzlich chemische Verfahren oder UV - durch Fachfirmen.

Wie merkt man, dass Legionellen im Wasser sind?

Legionellen sind unsichtbar, geruchlos und geschmacklos. Eine Kontamination lässt sich nur durch eine Laboruntersuchung nachweisen. Symptome einer Infektion treten erst 2-10 Tage nach dem Einatmen kontaminierten Wasserdampfs auf: hohes Fieber, Husten, Atemnot, Kopf- und Muskelschmerzen.

Was tötet Legionellen ab?

Hitze ist das wirksamste Mittel: 70 °C über 3 Minuten. Weitere Methoden:

  • Chlor und Chlordioxid (chemische Desinfektion)
  • UV-Strahlung (physikalische Desinfektion)
  • Ozon-Behandlung (in industriellen Anlagen)

Kaltes Wasser unter 20 °C stoppt die Vermehrung, tötet Legionellen aber nicht ab. Abkochen von Trinkwasser hilft nicht gegen Legionellen, da die Gefahr durch Einatmen von Aerosolen besteht, nicht durch Trinken.

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